Sniper: Ghost Warrior 3 – Mein Review zum Scharfschützen-Shooter

Gepostet am 6. Juni 2017, 2 Kommentare

2017 ist ein guter Jahrgang für Scharfschützen. Bereits im Februar durften wir uns mit Karl Fairburne in Sniper Elite 4 durch die Missionen schleichen und nun bietet uns CI Games mit Sniper: Ghost Warrior 3 einen weiteren Leckerbissen in diesem Genre. Gute Sniper-Spiele sind selten und auch die ersten beiden Teile von Sniper: Ghost Warrior wiesen häufig Shooter-Elemente auf, bei denen ich mir mit dem MG oder anderen durchschlagenden Waffen eine Schneise durch die gegnerischen Reihen bahnen musste. Da ging für mich die verborgene und doch gleichzeitig tödliche Vorgehensweise eines Snipers irgendwie verloren, was ich sehr schade fand.

Als dann im letzten Jahr Sniper: Ghost Warrior 3 angekündigt wurde, war ich deshalb zuerst etwas skeptisch. Dann hatte ich aber Gelegenheit, eine kleine Mission auf der gamescom zu spielen und war positiv überrascht, welche Wandlung die Spielreihe durchgemacht hat. Die Konzentration lag nun eindeutig darauf, eine realistische Scharfschützen-Erfahrung zu bieten. Verschwunden waren die Schlauchlevel, die mich oft zu radikaleren Mitteln, als dem heimlichen und geräuschlosen Ausschalten der Feinde zwangen, da sonst kein Durchkommen war. Verschwunden waren auch die Momente, als mir die Kugeln nur so um die Ohren flogen, da das Spiel mich unvorhergesehen in solche Situationen schickte. Deshalb wartete ich gespannt auf den Release.

Sniper Ghost Warrior 3

Schauplatz von Sniper: Ghost Warrior 3 ist das nördliche Georgien. Das Land ist mit Blut des Bürgerkriegs getränkt und genau hier ist mein Einsatzort. Ich spiele Jon North, einen amerikanischen Scharfschützen und Elitesoldaten, der in diesem Krisengebiet einen offiziellen Auftrag zu erfüllen hat. Separatisten, versprengte ehemalige russische Soldaten und andere Gruppierungen machen mit entweder das Leben schwer oder unterstützen mich.

Gleichzeitig suche ich aber nach meinem Bruder, Robert North, der ebenfalls als Elitesoldat in diesem Gebiet tätig ist. Bei einer gemeinsamen missglückten Mission wurde er jedoch gefangen genommen und seitdem fehlt von ihm jede Spur. Trotz unterschiedlicher Auffassung, was den Militär Job und das befolgen der Befehle angeht, stehen sich Jon und Robert sehr nahe und Jon ist ständig auf der Suche nach Hinweisen zum Aufenthaltsort seines Bruders.

Zugegebenermaßen liefert Sniper: Ghost Warrior 3 damit keine tiefgehende Story, aber immerhin eine, mit der ich mich identifizieren kann. Trotz der etwas hölzernen und teilweise gezwungen wirkenden Dialoge, gelingt es dem Spiel, hier Interesse am Schicksal des Bruders aufzubauen. Ich werde sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Ein Highlight für Taktiker

In Sniper: Ghost Warrior 3 kann ich mir nun meinen Weg durch die einzelnen Missionen selbst suchen. Die Open World Umgebung bietet mir jede Menge Möglichkeiten, das Gelände für meine Zwecke zu nutzen. Laufe ich lieber neben einer Straße und geschützt durch dichtes Buschwerk in ein gegnerisches Gebiet oder nutze ich ein felsiges Gelände, um erst einmal die feindlichen Gegebenheiten auszuspähen? Den Plan, der zum Missionsziel führt, muss ich mir selbst zurechtlegen. Kleine Gadgets, wie eine Drohne, helfen mir dabei, wichtige Punkte im Zielgebiet auszuspähen. Dabei werden nicht nur Gegner praktischerweise gleich markiert, auch Schwachstellen in Umzäunungen oder Mauern oder auch mögliche Verstecke kann ich im Vorfeld bereits erkennen und danach meinen Weg zum Zielpunkt taktisch festlegen.

Je nach persönlicher Vorliebe gehe ich dann lautlos vor oder ich schnetzle mich mit viel Geballer und Explosionen durch die Missionen. Mir persönlich ist ersteres lieber, wobei ich trotzdem gerne mal etwas in die Luft jage, wenn es dem Missionsziel dienlich ist. Das Spiel lässt mir hier jede Freiheit und ich muss mich nicht komplett auf einen Spielstil festlegen.

Sniper Ghost Warrior 3

Es gibt viel zu tun

Ein Prolog und vier Akte, die mit Haupt- und Nebenmissionen so vollgestopft sind, erwarten mich. Und damit nicht genug. Kleine Fragezeichen auf der Map weisen mich auf sogenannte Interessenspunkte hin, die es zu entdecken gilt. Mal muss ich hier Geiseln befreien oder dort einen Turm besteigen um Sammelbares zu finden und manchmal decke ich auch nur einen weiteren Schnellreisepunkt auf. Trotzdem bleibt es immer spannend, was es noch zu tun gibt. Ob sich diese kleinen zusätzlichen Aufgaben im Laufe des Spiels tot laufen und langweilig werden, bleibt abzuwarten. Ich habe jedenfalls im ersten Akt in einige Stunden verbracht und habe längst noch nicht alles auf der Map abgegrast.

Daneben gibt es auch Zielpersonen die allgemein als gefährlich eingestuft sind und die ich nebenher ausschalten kann. Aber auch das will genau geplant werden, damit es nicht in einem Desaster und mit dem Tod meiner Spielfigur endet. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

Realismus ist Trumpf

Als Spieler werde ich von Sniper Ghost Warrior 3 jetzt auch mehr gefordert, was den Realismus angeht. So muss ich beim Zielen mit dem Scharfschützengewehr die richtige Distanz einstellen und Seitenwinde beachten, um einen Volltreffer richtig zu platzieren. Bei gepanzerten Gegnern ist auch nicht gesagt, dass gleich der erste Schuss tödlich ist, deshalb schaue ich lieber einmal genauer hin.

Die Wahl des richtigen Schusswinkels, die Auswahl der passenden Munition, all das zeigt mir, dass ich als Spieler ernst genommen werde und meine Entscheidungen haben sichtbaren Einfluss auf das Ergebnis. Ich schätze das, denn oft ist es gerade in Shootern ziemlich egal, mit was ich da schieße und ob ich genau ziele, da der Ballerspaß ja hier im Vordergrund steht.

Sniper Ghost Warrior 3

In Sniper: Ghost Warrior 3 gehe ich taktischer vor. Das genaue Auskundschaften des Zielgebiets ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Besonders wenn ich als Nebenaufgabe mitgegeben bekomme, dass ich keine Alarme auslösen darf. Meine Gegenspieler sind nämlich auch bereits im einfachsten Schwierigkeitsgrad sehr aufmerksam und einmal alarmiert fangen sie akribisch an, nach mir zu suchen. In freiem Gelände kann ich da noch gut entkommen, in einem Gebäude ist dies aber teilweise fatal.

Speichern? Fehlanzeige!

Unangenehm aufgefallen ist mir allerdings das Speichersystem. Das habe ich in der Beta schon nicht verstanden und es hat sich jetzt auch im endgültigen Spiel nichts geändert. Selbst speichern kann ich nämlich nicht, denn das macht das Spiel automatisch für mich. Ich linse immer wieder auf die tröstliche Speicheranzeige, die mir vorgaukelt, dass mein Vorankommen wieder einmal gut festgehalten wurde. Gebe ich allerdings den Löffel ab oder lasse mich zum letzten Kontrollpunkt zurücksetzen, weil ich meine Taktik doch noch einmal ändern will, werde ich teilweise am Anfang der Mission wieder abgesetzt. Nur wenn ich ein Zwischenziel abgeschlossen habe, kann ich dort wieder aufsetzen.

Sniper Ghost Warrior 3

Mancher mag das als zusätzliche Herausforderung sehen, ich empfinde das aber nur als sehr ärgerlich, denn eine vorsichtige Vorgehensweise ist jedenfalls bei mir immer sehr zeitaufwändig. Dann ist es etwas frustrierend, die ganze Vorarbeit noch einmal machen zu dürfen. Ein paar Speicherpunkte zwischendurch oder ein manuelles Schnellspeichern hätten jedenfalls nicht geschadet. Immerhin bleiben als kleiner Trost die Markierungen der Gegner erhalten.

Und wo ich gerade schon dabei bin mich zu beschweren: Die Ladezeit für das Spiel ist definitiv ein No-Go. Lade ich einen Kontrollpunkt neu, ist die Zeit zwar nicht kurz, aber noch ok. Starte ich aber das komplette Spiel neu oder lade einen neuen Akt, dann muss ich 5-6 Minuten (!) Ladezeit in Kauf nehmen. Ich spiele auf der PS4 und vielleicht ist das auf anderen Systemen anders, aber das geht ja wohl gar nicht.

Skillen, basteln, schlafen

Je nach meiner gewählten Vorgehensweise bekomme ich Skillpunkte, mit denen ich Fertigkeiten in den Bereichen Sniper, Ghost und Warrior freischalten kann. Dabei stelle ich schnell fest, dass ich da wohl im Mischbetrieb fahre, denn eine Tendenz ist bis jetzt nicht erkennbar. Mir persönlich ist das jetzt egal, dem einen oder anderen dürfte es aber in den Fingern jucken, eine Mission komplett in einem ausgewählten Spielstil durchzuziehen.

Sniper Ghost Warrior 3

Während ich durch die Missionen streife, finde ich Bastelmaterial für neue Waffen oder Gadgets sowie sogenannte Handelsware, mit der ich zusätzliche Dinge einkaufen und so auch meine Ausrüstung verbessern kann.  Überhaupt scheint das Arsenal riesig zu sein. Eine Unmenge an Waffen, Gadgets und unterschiedliche Munition stehen mir zur Verfügung. Da kann einem schon schwindelig werden und mir fällt es von Mission zu Mission schwerer, mich zu entscheiden, was ich einpacken soll.

Die neuen Waffen und Gadgets kann ich übrigens in meinem Safehouse erwerben, in dem sich dann praktischerweise auch eine Werkbank befindet, auf der ich allerlei Nützliches wie Munition, Granaten oder auch Medipacks herstellen kann.

Auch bei der Wahl des Zeitpunkts, zu dem ich eine Mission beginnen möchte, bin ich völlig frei. Ich steige nämlich einfach im Safehouse ins Bett und schlafe bis zur gewünschten Uhrzeit. Dadurch ziehe ich dann z.B. erst im Schutz der Dunkelheit los, was mir zusätzliche Vorteile verschafft.

Mein Fazit zum Scharfschützen-Shooter

Auch wenn Sniper: Ghost Warrior 3 jetzt nichts wirklich bahnbrechend Neues bringt, ist das Spiel angenehm herausfordernd, denn es wurde viel Wert auf Realismus gelegt. Ein schöne und melancholische Musikuntermalung sowie eine mit Liebe zum Detail gestaltete Spiellandschaft lassen mich gerne in diese fremde Gegend eintauchen.

Ich habe alle Freiheiten, die Missionen nach meinem Spielstil und Geschmack anzugehen. Das Spiel zwingt mich hier in kein Korsett und bleibt doch immer anspruchsvoll genug, um auch kleine Missionen zu Herausforderungen zu machen.

Die Story könnte ein wenig tiefgreifender sein und die Dialoge nicht so gekünstelt, aber das sind Kleinigkeiten, über die ich gerne hinwegsehe, denn gute Sniper-Spiele sind selten und  Sniper: Ghost Warrior 3 ist für mich ein gutes Sniper-Spiel.

Wenn jetzt noch die Ladezeit extrem verkürzt wird, dann habe ich auch nichts mehr zu meckern.

Dieses Review von mir wurde zuerst auf Gamerz.one veröffentlicht.

  • VSG

    Sehr schön und umfassend geschrieben Moni! Deine Review macht Lust in das Spiel hineinzuspielen.

    Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von taktischen Sniper-Spielen, weil sie im Gegensatz zu schlichen Shootern mehr Ruhe und Strategie einfordern. Und das scheint auch hier der Fall zu sein. Dennoch ist es mir (wie auch Dir) vollkommen unbegreiflich, warum man den Spieler im Jahre 2017 zu Ladezeiten von 5-6 Minuten nötigt. Oder keine freien Speicherpunkte zulässt. Das ist ein ganz schlechter Witz.

    Danke für Deinen Text, der natürlich perfekt zu Deinem Blog passt. Wunderbar!

    • Angeblich sind die Ladezeiten am Anfang so lang, damit im Spiel nicht mehr so viel nachgeladen werden muss.
      Das mit den automatischen Speicherpunkten stört mich normalerweise nicht, wenn sie gut gesetzt sind. Und das ist hier leider nicht immer der Fall.
      Trotzdem kann ich das Spiel empfehlen. Wenn man ruhig und überlegt vorgeht, dann macht das viel Spaß.