Ich liege minutenlang unter einem Bett und beobachte meinen Verfolger. Der schleicht mit einem riesigen Messer bewaffnet immer wieder suchend durch den Raum. In einem unbeobachteten Augenblick springe unter dem Bett heraus, renne aus dem blutverschmierten Raum, hetze durch stockdunkle Gänge vorbei an verstümmelten Leichen und schaffe es mit knapper Not mich in einen offenstehenden Belüftungsschacht zu retten.

Outlast bietet ein nervenaufreibendes Spielerlebnis und obwohl Horrorspiele nicht gerade zu meinen Lieblingsspielen zählen, habe ich mich von der gruseligen Atmosphäre mitreißen lassen.

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Story (6/10)

Ok, es ist ein Horrorspiel und da darf man keine tiefgründige Story erwarten. Zwar werden durch Dokumente und Notizen einige Hintergrundinfos offengelegt, aber ich habe mir ehrlich gesagt am Ende nicht mehr die Zeit genommen alles durchzulesen.

Wir spielen Miles Upshur, einen Enthüllungsjournalisten und bekommen einen Tipp, dass in einer Nervenheilanstalt (war ja klar!) nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Blöd wie wir sind schleichen wir uns nachts (war ja auch klar!) in das riesige Gebäude. Kaum sind wir drin, sind wir auch schon gefangen und suchen verzweifelt nach einem Ausgang. Ein klassisches Horrorsetting also.

Handlung (9/10)

In der Ego-Perspektive kämpfen wir uns durch blutverschmierte Räume, stolpern über ekelhaft verstümmelte Leichen und Gedärme und versuchen den überlebenden Gestalten der Anstalt, die mehr oder weniger zu Zombies mutiert sind, zu entkommen. Dabei ist „kämpfen“ eher relativ zu sehen. Waffen haben wir keine dabei und bei der direkten Konfrontation mit den Gegnern ziehen wir immer den Kürzeren. Da heißt es entweder gut verstecken oder wegrennen.

Als Ausrüstung haben wir nur einen Camcorder dabei, der praktischerweise auch eine Nachtsichtfunktion hat. Dadurch können wir auch in stockdunklen Räumen und Gängen etwas erkennen. Allerdings schwindet dabei ratz-fatz die Energie der Batterien und wir sind immer wieder auf der Suche nach den kleinen Energiespendern.

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Atmosphäre (10/10)

Die Atmosphäre bei Outlast ist die größte Stärke dieses Spiels und die Spannung hält einem vom ersten Augenblick an gefangen. Angefangen bei den großartigen Animationen unseres Hauptdarstellers, die teilweise schon fast körperlich wehtun und teilweise schlimmer sind, als wenn wir einfach nur gestorben wären, bis hin zum japsenden Atem in Stresssituationen: wir spüren immer die verzweifelte Situation unseres Protagonisten und leiden mit ihm.

Die Szenerie und sie Soundkulisse tun ihr übriges um uns immer wieder das Gefühl zu geben: „Oh nein, da will ich eigentlich jetzt gar nicht langgehen …“.

Schön finde ich auch, dass das Spiel mit wenigen aber dafür gut eingesetzten Schockmomenten auskommt. Es wird hier mehr auf das subtile Horrorgefühl gesetzt, das einem die ganze Zeit im Nacken sitzt.

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Grafik (7/10)

Die Grafik war ausreichend und hätte hier und da vielleicht etwas detailreicher sein können. Nachdem wir aber sowieso einen Großteil nur durch das eher grieselige Display unseres Camcoders sehen, fällt das aber kaum ins Gewicht.

Sound (10/10)

Die Soundkulisse war einmalig und hat mit Atemgeräuschen, Kettenrasseln, entfernten Schreien oder auch nervenaufreibender Musik die Horroratmosphäre optimal unterstützt.

Einstellmöglichkeiten und Bedienung (9/10)

Die Bedienung hat kaum überfordert. Wie sollte sie auch, denn wir haben ja keine Waffen dabei, die wir ständig wechseln müssen, und irgendwelche ausgefeilten Kampftechniken sind uns auch völlig fremd.

Also können wir uns auf’s Wesentliche beschränken: laufen, rennen, verstecken, Camcorder an und aus, Batterien aufsammeln … das war’s. Mehr braucht’s aber auch nicht.

Gespeichert wird nur automatisch, aber die Speicherpunkte sind gut gewählt und frustrieren während des Spiels nicht. Allerdings ist der Menüpunkt „Speichern und Beenden“ irreführend. Hier wird nur noch einmal der letzte Speicherpunkt als Wiederaufsetzpunkt für die nächste Session hinterlegt.

Spielumfang (6/10)

Das Spiel fand ich insgesamt etwas kurz obwohl ich am Schluss doch froh war, es endlich geschafft zu haben. Ich habe vielleicht nicht jeden Raum durchsucht, aber doch einiges erkundet und war schon in 8 Stunden durch.

Leveldesign (8/10)

Die Rätsel sind nicht sonderlich schwer und auch die Gestaltung der einzelnen Gebäudeabschnitte ist immer ziemlich linear aufgebaut. Es gibt zwar viel, das man selbst erkunden kann, aber verlaufen konnte man sich eigentlich nie.

Gut, wenn man wieder mal die Beine in die Hand nehmen und um sein Leben rennen muss, dann nimmt man schon gerne mal die falsche Abzweigung …

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Sonstiges (7/10)

Auch wenn die Wendungen teilweise überraschend waren und auch die Umgebung immer wieder gewechselt hat, hat sich bei mir im letzten Viertels des Spiels eine gewisse Ermüdung eingestellt.

Irgendwie hatte ich mir wahrscheinlich ein ekeligeres oder furioseres Finale erwartet. Manche Situationen mitten im Spiel haben mich da mehr schockiert.

KI der Gegner (8/10)

Hm, kann man hier überhaupt von KI reden? Eigentlich ist die Überlebenstaktik immer die, nicht gesehen zu werden. Taucht man einmal im Sichtfeld eines Gegners auf, kann man auch schon sein Heil in der Flucht suchen. Verstecken geht natürlich auch, aber wenn ein Gegner erst einmal gesehen hat, dass wir in einem Schrank oder unter einem Bett verschwinden, werden wir da gleich wieder rausgezogen und vermöbelt.

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Mein Fazit: 80 von 100 Punkten

Ein tolles Spiel mit sehr gut inszenierter Horroratmosphäre. Für meinen Geschmack aber zu kurz und mit etwas zu leichten Rätseln.

 

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  1. […] Outlast habe ich ja in diesem Artikel ausführlich etwas geschrieben und zu Outlast: Whisteblower gibt’s meinen Beitrag bei Zockwork […]

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