Hard Reset Redux

Regen prasselt auf die menschenleere Straße, blinkende Leuchtreklamen spiegeln sich in den Pfützen, irgendwo um die Ecke höre ich ein metallisches Scheppern und schon rauscht eine Horde kleiner, wieselflinker Roboter um die Ecke. Ich reiße meinen Blaster hoch und schicke prasselnde Energiekugeln in Richtung der kleinen Biester, worauf sie in einem Funkenregen zerplatzen. Offensichtlich haben sie aber vorher noch um Hilfe gerufen, denn schon vibriert der Boden unter den mächtigen Schritten zweier riesiger Roboter, die sich von meinen coolen Energiekugeln nicht beeindrucken lassen. Ich klicke hektisch durch mein Waffenarsenal und wähle einen Raketenwerfer, der langsam aber sicher die gewünschte Wirkung zeigt. Immer wieder wechsle ich die Deckung um dem feindlichen Kugelhagel zu entgehen, sammle noch schnell bitter benötigte Munition auf und schaffe es buchstäblich mit der letzten Kugel, die beiden Stahlungetüme in einen Haufen Schrott zu verwandeln. Aufatmend laufe ich durch die qualmenden Trümmer und sammle allerlei Munition und Lebensenergie ein, die meine Gegner fallen gelassen haben.

Dieses Game habe ich bereits vor zwei Jahren gespielt und das Review auf Zockwork Orange veröffentlicht. Da Hard Reset Redux aber gerade im Sale bei Steam ist, wollte ich meine Eindrücke aber hier auch noch einmal teilen.

Hard Reset Redux

Ich weiß gar nicht, wie ich auf Hard Reset Redux gekommen bin und habe mich auch kaum informiert, was mich da erwartet, aber ich habe Bilder des dystopischen Sci-Fi-Settings gesehen und für so etwas bin ich ja eigentlich immer zu haben. Deshalb habe ich mich einfach mal dem Ungewissen gestellt und mich in diesen actionreichen Shooter gestürzt. Und was die großartige Spielumgebung angeht, wurde ich definitiv nicht enttäuscht.

Die Story

Die Hintergrundstory von Hard Reset Redux ist kurz erzählt, bzw. kaum vorhanden. Aber was kümmert einen in einem Shooter auch die Hintergrundstory. Die Weltherrschaft wurde von Maschinen übernommen und der letzte Zufluchtsort der Menschheit, die Stadt Bezoar, droht ebenfalls zu fallen. Als Major Fletcher, einem CLN-Soldat (was immer das ist), kämpfe ich mich alleine durch Straßenzüge und Gebäude um die Invasion der Roboter aufzuhalten. Mehr gibt’s auch nicht zu erzählen, die Ballereien und Kämpfe gegen Horden von Maschinenwesen sowie ein paar heftige Bosskämpfe lassen mir dazu auch keine Zeit. Ich bekomme zwar von Zeit zu Zeit Tipps oder Anweisungen von außen, aber die meiste Zeit bin ich auf mich selbst gestellt. Am Ende rette ich, wie erwartet, die Stadt … und die Menschheit wohl auch gleich mit (war das jetzt ein Spoiler?).

Hard Reset Redux

Action pur

Vor etwa 5 Jahren wurde Hard Reset als actiongeladener und rasanter Shooter veröffentlicht und war als neuartige Innovation innerhalb der Shooter-Szene gedacht. Wie bei Doom wurde der Schwerpunkt auf die Kämpfe und nicht auf die Story gelegt und das wird mir schon nach den ersten Spielminuten klar gemacht. Deshalb ist Hard Reset Redux auch nichts für Freunde von storylastigen Spielen, sondern es geht hier in erster Linie um den Spaß am Ballern mit einem riesigen Waffenarsenal. Die Steuerung mit dem Controller funktioniert dabei einwandfrei, auch wenn jetzt wieder viele grinsen und meinen „Einen Shooter spielt man nicht mit dem Controller!“.

Leider habe ich die ursprüngliche Fassung von Hard Reset Redux nicht gespielt, so dass ich keine Vergleiche ziehen kann, aber es sollen neben den grafischen Überarbeitungen einige neue Level und Gegner und generelle Verbesserungen im Gameplay hinzugekommen sein.

Auf meinem Weg durch die, meiner Meinung nach wundervoll gestaltete aber teilweise leere Cyberpunk-Stadt, sammle ich kleinen orange Päckchen, die ich jetzt mal XP-Items nenne, die ich später in Upgrades von Waffen stecken kann. Und Waffen habe ich wirklich mehr als genug. Nach und nach schalte ich insgesamt 10 verschiedene Ballerinstrumente mit jeweils zwei unterschiedlichen Funktionen frei. Zusätzlich schleppe ich auch noch ein ziemlich cooles Cyber-Katana mit mir herum, das ich allerdings selten benutzt habe. Mit der Anzahl an Waffe war ich am Ende leicht überfordert, denn es ist ziemliche Fingerakrobatik gefragt, um je nach Typ des Gegners das richtige Schießeisen auszuwählen. Ab Mitte des Spiels habe ich mich dann auf 3 Waffen beschränkt, die mir bis zum Ende gute Dienste geleistet haben. Mir hat sich dieser Überfluss nicht so ganz erschlossen, aber wahrscheinlich gibt es experimentierfreudigere Zeitgenossen unter uns, die gerne alles einmal ausprobieren.

Hard Reset Redux

Kleinere Rätsel inklusive

Neben den Waffen kann ich mit den XP-Items aber auch z.B. meine Munitionskapazität erhöhen oder meine Panzerung pimpen, weswegen sie von mir gleich zum heißbegehrten Gut erklärt wurden. Diese Items sind aber auch schon mal gut versteckt und man muss sich dann schon etwas einfallen lassen, um sie zu bekommen. Hier einen Lift in Gang setzen, dort einen störenden Behälter in die Luft jagen oder eine Wand durchbrechen … die Entwickler haben sich Mühe gegeben, auch etwas für die Jäger und Sammler einzustreuen. Das betet einen gewissen Unterhaltungswert, wirkt aber manchmal recht fehl am Platz. Trotzdem waren die kleinen Aufgaben immer eine nette Ablenkung und eine kleine Verschnaufpause.

Großer Baller-Spaß trotz eintönige Gegner

So cool und abwechslungsreich die Umgebung von Hard Reset Redux auch ist, so eintönig werden mit der Zeit die Gegner. Ich schätze, bereits nach dem ersten Drittel des Spiels ist man schon fast allem begegnet, was sich einem auf mechanischen Beinchen in den Weg stellen will. Nur noch die reine Anzahl der Maschinenwesen, die mir ans Leder wollen, macht es teilweise schwierig, mich gegen sie zu behaupten. Dabei kann übrigens die Umgebung geschickt mit einbezogen werden. Gasflaschen und explosive Behälter, die ich mit gezielten Schüssen in Feuerbälle verwandle, oder auch Metallgitter, die unter Strom gesetzt werden können, sorgen für gewisse Abwechslung, die aber nur kurz über die immer gleichförmigen gegnerischen Wellen hinwegtäuscht.

Leider ist Hard Reset Redux auch ziemlich linear aufgebaut. Für Experimente ist kein Raum und es gibt immer nur einen einzigen Weg zu nächsten Zielpunkt, was ich zwar etwas schade finde, aber auch nicht wirklich vermisst habe. Die Baller-Action steht hier ganz klar im Vordergrund.

Hard Reset Redux

Alles vorhersehbar

Viele Überraschungen bietet das Spiel jedenfalls nicht. Betrete ich ein neues größeres Gelände und es liegt eine Unmenge Munition und Lebensenergie herum, ist das eigentlich immer ein untrügliches Indiz dafür, dass es gleich zur Sache geht. Und kaum habe ich mir ein Munitionspaket gegrabscht, weist mich der aufbrausende und wummernde Soundtrack darauf hin, dass wieder aus allen Ecken meine mechanischen Freunde gespritzt kommen und zur Attacke blasen. Da heißt es dann immer schön in Bewegung bleiben, ihnen nie den Rücken zudrehen und die Munition gut einteilen. Munition ist aber auch kein wirkliches Thema. Habe ich alles verschossen, füllt sich mein Bestand mit der Zeit bis zu einem gewissen Grad selbst wieder nach.

Hard Reset Redux ist auch kein langes Spiel. Nach ca. 10 Stunden hat sich hier wohl jeder durchgeballert, auch wenn man ausgiebig die Umgebung nach Munition, Gesundheitspacks und XP-Items absucht. Ich finde aber die Länge auf jeden Fall ausreichend. So großartig die Cyberpunk-Umgebung auch ist, irgendwann hatte ich gefühlt schon mal alle Gegner vor der Flinte und habe nur noch auf den großen Showdown gewartet.

Ich würde Hard Reset Redux als einen wunderbar überarbeiteten Oldschool-FPS-Shooter bezeichnen. Trotz gewisser Schwächen habe ich selten einen Shooter mit so viel Begeisterung gespielt, denn auch wenn die Gegner nicht besonders abwechslungsreich waren, hat es wieder mal megamäßig Spaß gemacht so richtig auf die Kacke zu hauen.

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