Bloodborne – Hart aber fair

Gepostet am 29. Mai 2017, 0 Kommentare

Ein Blick auf den Stundenzähler beweist: Ich habe bereits etwa 150 Stunden in Bloodborne verbracht. Jetzt bin ich dann doch selbst etwas überrascht. Aber mittlerweile habe ich habe ich mit meinem ersten Charakter das Spiel etwa 1,5 Mal durch, und der zweite Charakter steht auch schon dem Endboss gegenüber, bzw. befindet sich noch im DLC.

Bloodborne

Jetzt stellt sich mir selbst die Frage, was mich an diesem Spiel so fasziniert. Ich hatte es fast ein Jahr im Schrank stehen, bevor ich es überhaupt angefasst habe … weil es ein Rollenspiel ist, weil es bockschwer sein soll, weil es ein Hack-and-Slay-Spiel ist, weil … weil … weil … weil das eigentlich alles nicht zu meiner bevorzugten Spielweise passt.

Es schien 1000 Gründe zu geben, warum ich lieber die Finger davon lassen sollte, aber ich habe es trotzdem installiert und gestartet. Vielleicht war es, um mir zu beweisen, dass ich auch ein bockschweres Spiel bis zu Ende durchziehen kann. Fasziniert stolperte ich also durch Yharnam, bestaunte die verschachtelte Architektur, das coole Leveldesign und die Vielzahl der unterschiedlichen Gegner, die nicht nur unglaublich phantasievoll gestaltet sind, sondern mich zwingen ihre unterschiedlichen Angriffsmuster zu lernen und mich auch sonst mit den Kampftechniken und Waffen eingehend zu beschäftigen.

Die Story

Die Hintergrundgeschichte von Bloodborne erschließt sich nur mühsam. Ich werde als Bestienjäger in die Spielwelt gesetzt, habe den „Traum des Jägers“ als sicheren Zufluchtsort und lerne gerade noch, dass mich heiliges Blut am Leben hält. Bestien machen die Straßen unsicher und die Überlebenden haben sich in ihren Häusern verschanzt. Auch meinem Weg durch die Stadt finde ich nützliche Gegenstände, deren Beschreibung kleine Hinweise preisgeben. Langsam kann ich mir ein paar Dinge zusammenreimen, habe aber immer noch keine Ahnung, ob ich damit richtig liege.

Tief unter der Stadt gab es einen Bereich, der vor langer Zeit von den Ältesten beherrscht wurde. Anscheinend waren sie irgendwann nicht mehr in der Lage, Nachkommen zu zeugen und versuchten mittels heiligen Bluts und den Menschen, ihre Existenz zu sichern. Die Universität von Byrgenwerth half ihnen bei dieser komplizierten Aufgabe. Leider ging das Experiment schief und statt Nachkommen der Ältesten zu zeugen, verwandelte sich ein Großteil der Bevölkerung in bluthungrige Bestien. Ein Heilmittel ist nicht in Sicht und es bleibt auch unklar, ob ich das auf meinem Weg durch die Stadt suchen soll. Auf jeden Fall soll ich nun Jagd auf die Bestien machen um die Stadt zu schützen.

Bloodborne

Auf meinem Weg durch die verschiedenen Gebiete treffe ich auch Bestienjäger, die aber wohl zu viel heiliges Blut konsumiert haben und jetzt auch andere Jäger angreifen. Das sind ernstzunehmende und harte Gegner.

Ab und zu treffe ich auch auf NPCs, die mir ein wenig zur Geschichte erzählen können und Stück für Stück reime ich mir dann etwas zusammen. Dabei lerne ich auch, dass es unklug ist, alle dahergelaufenen NPCs gleich als Feinde anzusehen. Schlage ich nämlich gleich drauf, sind die dadurch verärgerten NPCs nicht mehr zu beruhigen und statt mir zu helfen (was in vielen Fällen äußerst nützlich sein kann), greifen sie mich im Laufe des Spiels immer wieder an. Und außerdem verpasse ich dann eine interessante Storyline.

Hier setzen die Entwickler wohl auch gezielt auf die Community. Da werden Hinweise ausgetauscht, welches Amulett welche Waffen im Shop freischaltet, mit welchem NPC unbedingt gesprochen werden sollte oder welcher Boss besonders empfindlich auf Feuer reagiert. Ein geschickter Schachzug, wie ich meine, denn hier entwickelte sich eine große Fan-Gemeinde, die sich mit zahllosen Wikis, Boss-Guides oder Walkthroughs gegenseitig unterstützt. Ganz besonders haben mich hier die Videos von VaatiVidya beeindruckt, die weniger Gameplay zeigen, als einen wunderbaren Einblick in die Story und die Geschichten der NPCs bieten.

Offensive Vorgehensweise

Bloodborne zwingt mich zur offensiven Vorgehensweise. Im Kampf verlorene Lebensenergie kann ich nämlich durch Treffer eine Zeit lang wieder auffüllen. Da heißt es: Ran an den Feind und kräftig austeilen … solange es die Ausdauer zulässt.

Bloodborne

Schilde gibt es übrigens nicht, weswegen geschicktes Ausweichen oft die einzige Möglichkeit ist, den Schlägen der Gegner zu entgehen. Solche Kämpfe waren bisher eigentlich gar nicht mein Fall, doch ich habe mich durchgebissen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnte ich dann aber bald merkliche Steigerungen feststellen. Ich wurde geschickter darin, auszuweichen, bekam ein Auge dafür, wann sich eine Gelegenheit zum Zuschlagen bot und wenn ich wieder einen etwas stärkeren Gegner erledigt hatte, war das Glücksgefühl groß.

Richtiges Leveln

Ich bin ja kein Freund von Rollenspielen und das richtige Leveln von Waffen und Charakteren ist auch nicht gerade einer meiner Kernkompetenzen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, wenn ich nicht auf einige wenige Eigenschaften und eine „Lieblingswaffe“ konzentriere, fahre ich am besten. Diese Vorgehensweise hat mir hier auch viel geholfen. Gerne hätte ich natürlich coole Arkankraft gehabt, aber meine hart erkämpften Punkte habe ich dann doch lieber in Ausdauer oder Stärke investiert.

Für mich ist das Levelsystem von Bloodborne gerade so an der Grenze von dem, was ich noch so ertrage. Ich finde das Leveln nämlich furchtbar. Für viele macht das gerade den Reiz eines Spiels aus, aber für mich ist das die Hölle. Endlose Farming-Runden, nur im mir wieder einen Punkt mehr in einer Eigenschaft zu ergattern … nein danke.

Bloodborne

Natürlich habe ich in Bloodborne auch gefarmt. Das wurde seltsamerweise auch kaum langweilig, weil ich dabei immer wieder Gebiete entdeckt habe, an denen ich vorher noch nicht gewesen bin oder auch Gegenstände gefunden habe, die ich übersehen hatte. Oder ich habe mich in Bereiche vorgewagt, die ich auf Grund fehlender Skills vorher gemieden hatte.

Die Bereiche in Bloodborne sind so geschickt gestaltet, dass für mich immer noch etwas zu erkunden bleibt, auch wenn ich schon dreimal durch das gleiche Gebiet gelaufen bin. Immer wieder entdecke ich einen neuen Raum, einen Pfad, dem ich noch nicht gefolgt bin oder eine Leiter, an der ich bisher vorbeigelaufen bin. Das macht es für mich spannend, auch bekannte Gebiete immer wieder zu durchstreifen. Dem Spiel gelingt es, mich mit kleinen Entdeckungen und Erfolgserlebnissen über Stunden gefesselt zu halten, ohne dass es mir langweilig wird.

Happige Bosskämpfe

Zugegeben, die Bosskämpfe sind hart … sehr hart. Gerade, wenn man noch ganz am Anfang steht. Da ich bei jedem Boss erst einmal die Angriffsmuster lernen muss, sterbe ich oft. Aber wenn ich nicht gleich mit dem Anspruch in einen Bosskampf reingehe, den Boss gleich beim ersten Mal zu erlegen, nimmt das schon viel Frust aus dem Geschehen. Ich habe nicht die Erwartungshaltung jeden Boss im ersten Durchgang gleich nach dem 2. oder 3. Versuch zu erledigen. Natürlich wird der Frustlevel nach dem 10. Versuch ziemlich gestresst, aber auch hier bleibt das Spiel fair. Jeder Boss hat Schwachstellen, bei denen ich erheblichen Schaden anrichten kann. D.h. wenn ich mich entsprechend vorbereite, habe ich größere Chancen. Und fast immer habe ich die Möglichkeit, jemanden zur Hilfe zu rufen. Wenn gerade kein anderer Spieler bereit ist, kann ich in der Nähe vieler Bossarenen einen Jäger-NPC beschwören, der mich im Kampf unterstützt, falls das nötig sein sollte.

Bloodborne

Und die Euphorie nach einem gelungenen Bosskampf, wenn der Puls von gefühlten 280 wieder auf ein Normalmaß zurückgeht, ist unvergleichlich.

Faires Gameplay

Trotz des hohen Schwierigkeitsgrads bleibt Bloodborne aber immer fair. Sind Gegner zu stark, muss ich es nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen und kann sie umgehen. Auch weisen gefundene Gegenstände oft auf drohende Gefahren hin. Finde ich z.B. Gegengift, kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen, in Kürze auf Gegner zu treffen, deren Schläge vergiftend wirken, oder ich finde mich in einem giftigen Sumpfgebiet wieder. Bloodborne gibt dem aufmerksamen Spieler also auch immer wieder versteckte Hinweise.

Bloodborne

Und das ist vielleicht auch das Erfolgsrezept von Bloodborne. Obwohl es nicht immer einfach ist, manche Bestien zu erledigen, geht es doch irgendwie … und irgendwann.

Mein Fazit

Ein Spiel, das mich bereits seit über 150 Spielstunden fesselt, hat wohl alles richtig gemacht. Hier passt für mich alles. Die düstere, aber trotzdem detailreiche Spielumgebung, der hohe, aber trotzdem zu bewältigende Schwierigkeitsgrad oder die verschachtelten Level, die immer wieder für Überraschungen sorgen, all das bietet eine gelungene Mischung, die mich auch nach zwei Spieldurchgängen immer noch begeistert.

Nun habe ich mir auch noch den DLC geholt. Der stellt allerdings noch einmal eine zusätzliche Herausforderung dar, aber das ist eine andere Geschichte.